Recherche und Datenaufnahme bilden den Kern jeder wissenschaftlichen Tätigkeit. Das eigene Vorhaben muss forschungsgeschichtlich eingeordnet und auf Vorarbeiten bezogen werden. Genutzte Verfahren und Datenbestände, die aus der Sekundärliteratur übernommen werden, müssen recherchiert, aufgearbeitet und kritisch gewürdigt werden. übernommene Angaben, Daten und Verweise müssen formal und methodisch richtig zitiert werden.
Insbesondere theoretische Projekte können ausschließlich auf Informationen und Angaben aus der Sekundärliteratur basieren. Bei historischen Fragestellungen gesellen sich Passagen aus Primärquellen zur Sekundärliteratur. Bei material- und objektbezogenen Forschungsarbeiten gesellen sich nicht-textbasierte Informationen zu diesen Textverweisen. Die Art und Methode(n) der Datenaufnahme unterscheiden sich je nach Fachdisziplin und Forschungsprojekt. Archäologische Projekte beinhalten beispielsweise häufig Grabungen und/oder Objektarbeit an historischen Artefakten. Zur Anwendung kommen können unter Anderem visuelle Autopsien, kunstgeschichtliche Verfahren, naturwissenschaftliche Messungen und Geländearbeit. Alle Methoden und Verfahren erfordern unterschiedliche Grundkenntnisse und stellen den/die BearbeiterIn vor verschiedene Herausforderungen, deren Überwindung nicht verhindern darf, dass die Verfahren gemäß der wissenschaftlichen Grundsätze umgesetzt werden.
Alle genutzten Informationen müssen, ungeachtet ihrer Herkunft aus Literaturrecherchen, Messungen oder handwerklichen Aktivitäten im weitesten Sinn, nachvollziehbar und transparent dargelegt und begründet werden. Die Verfahren müssen einheitlich und unter Berücksichtigung möglicher Störquellen sauber umgesetzt werden.
Jede Fachdisziplin verfügt über ein breites Spektrum an etablierten Verfahren und Methoden zur Erforschung ihrer Untersuchungsgegenstände. Interdisziplinäre Zusammenarbeit führt zu einem weiteren Anwachsen dieser Palette. Ergeben sich neue Forschungsfragen oder Projekte, oder kann ein Forschungsinteresse mit den bestehenden Methoden der Fachdisziplin nicht gelöst werden, können die etablierten Methoden der eigenen Disziplin weiterentwickelt und/oder Verfahren aus anderen Fachdisziplinen "importiert" werden. Beide Herangehensweisen stellen ForscherInnen vor mehrere Herausforderungen.
Um die Stringenz und Aussagekraft einer Arbeit nicht zu gefährden, ist es unerlässlich, Widersprüche zwischen Aussagen und den genutzten Verfahren zu vermeiden. Wird eine Methode weiterentwickelt oder ein Verfahren einer anderen Fachdisziplin angewandt, besteht das Risiko, implizit auf Prämissen und Hypothesen zurückzugreifen, die dem eigenen Ansatz entgegenstehen. Es gilt, Weiterentwicklungen und "Importe" so an die eigene Vorgehensweise anzupassen, dass weder Reibungen zwischen den Aussagen und Verfahren der eigenen Arbeit entstehen, noch das Verfahren seiner argumentativen und funktionalen Grundlage beraubt wird. Umfassende Recherchen und Analysen zu den Grundlagen der eigenen und der "importierten" Verfahren bilden das Fundament jeder Weiterentwicklung von Forschungsansätzen.
Innovative Forschungsprojekte können einen Punkt erreichen, an dem eine Frage oder Problemstellung weder durch Modifikationen von Verfahren der eigenen noch von solchen anderer Fachdisziplinen gelöst werden können - beispielsweise weil die Fragestellung in eine bisher nicht erforschte Richtung weist, oder das Ausmaß der benötigten Modifikationen so umfangreich ist, dass das Kernverfahren nicht mehr präzise und sauber umgesetzt werden kann. In diesen Fällen gilt es, ein neues Verfahren für die aktuelle Problemstellung zu entwickeln. Die Assoziator-Logik beispielsweise wurde von Dr. Susanne Bosche entwickelt, um die polyvalente Beziehung zwischen Beobachter und Untersuchungsgegenstand in abstrakte Argumentationsstrukturen einzubringen.
Die Grundlage jeder Neu- und Weiterentwicklung ist eine umfassende und detaillierte Analyse der aktuellen Problemstellung, ihrer Hintergründe und Kontextbedingungen. Im zweiten Schritt gilt es, in der Sekundärliteratur nach Forschungsprojekten zu suchen, die an ähnliche Schwierigkeiten gelangt sind, und ihre Lösungsansätze und Fragen gleichsam einer eingehenden Analyse zu unterziehen. Auf dieser Grundlage können erste Entwürfe für Lösungsstrategien entwickelt werden, deren Umsetzbarkeit durch umfassende Recherchen, Analysen und Tests zu prüfen ist. Die eingeschlagenen Wege und Resultate müssen umfassend und detailliert publiziert und in entsprechenden Fachpublikationen dargelegt werden. Ein Einhalten der Disziplinengrenzen ist bei derartigen Vorhaben kaum möglich; die Forschung bewegt sich im interdisziplinären Rahmen.
Sind die Verfahren und Methoden eines Projekts ausgewählt bzw. entwickelt, werden sie auf die Untersuchungsgegenstände angewandt. Bei der Umsetzung ist auf eine saubere und präzise Durchführung und Dokumentation der Einzeluntersuchungen zu achten. Selbst kleinste Details und Faktoren können Resultate nachhaltig verzerren; ohne eine detaillierte Dokumentation aller Einzelschritte, Einstellungen, Aufbauten etc. ist ein Nachvollziehen späterer Reibungen, Abweichungen und Übereinstimmungen nicht möglich.
Bei der Dokumentation von Verfahren und Untersuchungen kommen der Standardisierung und Formalisierung ein ebenso hohes Gewicht zu wie der Präzision, Vollständigkeit und Sorgsamkeit. Partiell und/oder unstrukturiert erfasste Informationen können bei der späteren Auswertung zu massiven Schwierigkeiten führen; Änderungen bei Art und Umfang der Dokumentation bringen das Risiko mit sich, dass Teiluntersuchungen, die nach unterschiedlichen Standards dokumentiert wurden, nicht oder nur partiell aufeinander bezogen werden können. Bereits vor der Durchführung der Untersuchungen sollten präzise und umfassende Dokumentationsstandards entwickelt werden, die während der Durchführung unbedingt genau und vollständig eingehalten werden müssen.
Am Abschluss jedes Forschungsvorhabens und jedes Teilschritts eines wissenschaftlichen Projekts steht die Publikation der entwickelten Verfahren und Resultate. Die Grundlagen für die Publikation bilden die zuvor angestellten Recherchen und Dokumentationen, die nun (erneut) systematisch ausgewertet und aufgearbeitet werden. Bei der Konzeption und Anlage einer Publikation gilt es, das Zielpublikum zu berücksichtigen. Ein Aufsatz in einem Fachjournal nutzt eine andere Struktur, Stilistik und Sprache als eine Präsentation im populärwissenschaftlichen Rahmen. Ausstellungsformate schlagen die Brücke zwischen diesen beiden Welten. Um den größtmöglichen Impact zu erreichen, empfiehlt es sich, die Resultate der eigenen Arbeit in mehreren unterschiedlichen Medien mit verschiedenem, jeweils möglichst breiten Zielpublikum zu präsentieren.
Ungeachtet der Ausrichtung ist beim Verfassen einer Publikation auf die Einhaltung der wissenschaftlichen Grundsätze zu achten. Die Aussagen, Daten, Informationen und Verfahren müssen transparent, nachvollziehbar und vollständig dargelegt werden. Schlussfolgerungen müssen explizit begründet und Prämissen und Ausgangshypothesen müssen offengelegt werden. Alternative Ansätze und widersprüchliche Modelle und Hypothesen müssen berücksichtigt und kritisch gewürdigt werden.
Den Kern und zugleich Rahmen jeder Publikation bilden die Protokolle der Datenaufnahme und Verweise auf genutzte Primär- und Sekundärliteratur. Eine vollständige, präzise und formal richtige Darlegung aller Quellen, Messungen und Daten ist die Stütze jedes Argumentationsgangs. Alle weiterführenden Argumentationsgänge und Hypothesen bauen auf diesem Kern auf. Bei ihrer Formulierung ist auf die Einnahme verschiedener Perspektiven zu achten, damit die Argumentationsstrukturen möglichst wasserdicht zum Ausdruck gebracht werden können.
Bevor eine Publikation ihrem Publikum zugänglich gemacht wird, folgen idealerweise mehrere Peer Reviews und kritische Diskussionen mit FachkollegInnen zur Überprüfung, Kontrolle und erneuten kritischen Betrachtung. Nach Wahl und Akzeptanz einer/s Verlags bzw. HerausgeberIn folgt die formale Überarbeitung unter Einhaltung der spezifischen Vorgaben.
Assoziator-Logik
Musik und Klang in der klassischen Antike
Entwicklung von Verfahren zur wissenschaftlichen Nutzung von 3D-Digitalisierungsverfahren (teilweise Kooperation)
Digitalisierung und Virtualisierung historischer Instrumente (Kooperation)
Deformationsanalysen historischer Tasteninstrumente (Kooperation)
Romanisierungsforschung und Epistemologie (teilweise Dissertationsprojekt, ruhend)
Neues Licht aus Pompeji (LMU München, frühere Mitarbeit)